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der Verbandsverwaltung im Rathaus Schönau

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Geschichte


Die erste urkundliche Bestätigung über die im Wesentlichen um 1250 abgeschlossene Besiedelung des hinteren Wiesentales liegt aus der Zeit um die Jahrtau­sendwende vor. Als Erben des ersten Grundherren über­ließen die Freiherren von Grenchen und Höllstein, von Eichstetten, Waldeck und von Wehr in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts dem Kloster St. Blasien ihre Besitzungen im Schönauer und Todtnauer Tal. Auch das Kloster St. Trudpert im Münstertal verfügte über Be­sitzungen im Wiesental und bezog Käsezinse in Tunau und Bischmatt von seinen dort gelegenen Matten. Der älteste Berain, in welchem diese Abgaben angeführt sind, stammt aus dem Jahre 1390. Obwohl St. Blasien diese Zinse käuf­lich oder durch Tausch übernahm, werden sie noch im 19. Jahrhundert als St. Trudperter Käse-Bodenzinse im Abgaberegister geführt, und zinsten 1798 Hans Waßmer, Fridolin Strohmeier, Peter Seger, Josef Rudi, Josef Zim­mermann, Thomas Rudi von der Tannenmatte 1/4 bis 31/4 Käse in natura oder zahlten wie Agathe Diewald, Johann Zimmermann, Ulrich Kiefer, Thomas Lade, Andreas Keller, Johann Bundt, Michael Strohmeier, Paul Böhler, Do­minik Bundt, Andreas Rudi, Ignaz Böhler, Fridolin Bekker, Johann und Konstantin Böhler das sogenannte Käse­geld, wobei ein Käse zu einem Kreuzer angeschlagen wurde.
 
Tunau gehörte mit Bischmatt und Michelrütte inner­halb der St. Blasianischen Talvogtei Schönau zum auswen­digen Tal und der sogenannten „Grafschaft". Bei der 1805 vorgenommenen letzten Vogt- und Ratswahl der Tal­vogtei wurde unter den Vertretern des auswendigen Tales Bläsi Steiger von Michelrütte in den Rat gewählt. Am 17. Mai 1809 wurde Tunau selbständige Gemeinde und Ulrich Karle zum ersten Bürgermeister gewählt. Für Bischmatt und Michelrütte wurde je ein Gerichtsmann bestellt.
Nachdem die Basler Bischöfe und die Herzöge von Zähringen die Schutzvogtei über das Kloster St. Blasien aus­geübt hatten, ging die Landeshoheit durch die Habsburger an Österreich über, das sie bis zum Übergang an Baden im Jahre 1806 innehatte. Beim Regierungsantritt eines jeden Landesherrn mussten die Untertanen der Talvogtei den Huldigungseid ablegen und sich dazu in Schönau ein­finden. Zur Huldigung für die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1741 erschienen 19 verheiratete und 11 ledige Bürger von Tunau.
 
In dem 1352 aufgestellten Verzeichnis über die Güter und Gefälle des Klosters St. Blasien im Wiesental wird Tunau als „Tuenouwe" und Michelrütte als „Michalruiti" angeführt. 1374 werden in Tunau die Zinsleute Hans Mayer, Katharina Rötin, Johann Swegler, Heinrich Loelli, Henni Smeltzli, Hans Wisler, Konrad der Amann, Wernli und Walter Hasler, Hans Helwig, Walter Schultheiss, Henni Kiefer, Hans Russing und Johann Birnholz ge­nannt, welche insgesamt 6 Viertel Hafer, 8 Hühner, 10 Eier und 2 Pfund 11 Schilling an Geld als Abgaben entrichteten. In Michelrütte war das Geschlecht Wisler sesshaft. An Flurnamen finden die Lange Matt, Schürlins Matte, Tannenmatte, Bischmatte, Wagbrünnele, Im Wie­senberg, In der oberen Wolfsgruben, Zum guten Brunnen, Im Reidenbach, In der Winterhalde, Im Ussergraben und In der Ebni Erwähnung. Hans Hämmerle und die Höfe und Häuser „in der Büschmatt" sind 1488 zusammen mit Konrad Ringele, Hans Kummerer von Tunau und Konrad Hug von Michelrütte in klösterlichen Aufzeichnungen ver­merkt.

Beim Dinggericht in Ittenschwand waren Mathis Reinwalder, dessen Geschlecht aus Graubünden eingewandert war, 1583 und in den folgenden Jahren als Richter auf­gestellt. In den Gerichtsprotokollen erscheint 1588 Toni Wetzel von Tunau. Beim Gerichtstag vom 7. Oktober 1700 unterbreitete Georg Böhler von Michelrütte einen Vergleichsvorschlag wegen der Güter seiner Frau Magdalene Karle. Moritz Ringele von Tunau hatte 100 Gulden von Hans Seger zu Sonnenmatt zu fordern, die als Unterpfand auf die dem Hans Seger zustehenden Güter des Adam Lais in Künaberg gelegt wurden.

Langwierige Auseinandersetzungen entstanden zwischen der Talvogtei Schönau und dem Kloster St. Blasien wegen des Heu- und Öhmdzehnten, den die Untertanen der Pfarrei Schönau schuldeten. Als das Gebiet durch Seuchen entvölkert war und viele Güter auch infolge der Kriegs­wirren verödet lagen, hatte ein Schönauer Pfarrer aus Mitleid mit den Untertanen eine geringe Geldabgabe an Stelle des Heuzehnten eingeführt. Nachdem sich aber die allgemeinen Verhältnisse gebessert hatten, bestand das Kloster auf seinen alten Rechten. Ein erster Vergleich kam 1577 zustande. Am 11. Mai 1730 wurde unter Abt Franz II. ein erneuerter Vergleich mit den Einwohnern zu Tunau wegen des Heu-, Öhmd- und Martinszehnten so­wie des ebenfalls in die St. Blasianische Leutpriesterei zu Schönau gehörigen Pfarrzinses getroffen. Für diese Zehn­ten und Zinse hatten die Tunauer alljährlich zwischen Johanni und Jakobi 6 Gulden 14 Kreuzer und 2 Heller zu bezahlen. Das Dorf hatte einen dem Pfarrer genehmen Mann zu bestimmen, der für den Einzug und die Abliefe­rung verantwortlich war und für seine Mühewaltung 4 Groschen erhielt. 1823 bezahlte die Vogtei Tunau 38 Gulden 9 Kreuzer als Ablösungskapital für die an die Pfarrei Schönau schuldigen Bodenzinse.

1695 wurde in Tunau ein 15-jähriges Mädchen von einem Husaren niedergestochen; denn Freund und Feind gingen mit der einheimischen Bevölkerung wenig glimpflich um.

Durch Jahrhunderte bestritten die meisten Einwohner der Talvogtei nach dem Erliegen des Bergbaues ihren Le­bensunterhalt vorwiegend aus der Viehwirtschaft, die heute infolge des Verdienstes in der Industrie immer mehr zu­rückgeht. Da die Grenzen der Ortsgemarkungen zunächst nicht genau festlagen, kam es nach 1500 zu wiederholten Auseinandersetzungen über die Benützung des Weidegeländes. 1555 einigten sich Schönau und Bischmatt im so­genannten Schönackerbrief über die gegenseitigen Weide­rechte. Der Wald war gemeinsamer freier Besitz der Tal­vogtei, und nur wenige Waldungen wie der Tunauer Di­strikt „Langer Grund" des Schwarztannenwaldes waren an das Kloster St. Blasien zinspflichtig.

Als die Allmende nach 1820 aufgeteilt werden sollte, kam es wegen des Verteilungsmodus zu Streitigkeiten zwi­schen den größeren und kleineren Bauern der Gemeinde. Schließlich erreichten die größeren Bauern, vertreten durch Thomas Laile und Fridolin Eckert, im Jahre 1827 durch einen Gerichtsbeschluss, dass die Verteilung nach dem Steuerfuß erfolgen sollte, nach dem die auch die vermehr­ten Kriegslasten getragen hatten. Bei einer Abstimmung im Jahre 1856 beschlossen die 30 Bürger von Tunau, das 1838 auf dem Weidfeld im „Hintereck" unter die Bürger verteilte Allmendgenussfeld in den „Wiesenberg" zu ver­legen und das Gewann Hintereck wieder als Weidfeld zu benutzen. Der heutige Bürgernutzen an Holz und All­mende ist mit dem Hausbesitz verbunden.
 
Damals zählte die Gemeinde 222 Einwohner, von denen 46 in 6 Häusern zu Bischmatt und 32 in 4 Häusern in Michelrütte wohnten. Sie verteilten sich auf die Geschlech­ter Strohmeier, Zimmermann, Böhler, Lade, Ringele, Ruch, Beckert, Wetzel, Keller, Stiefvater, Bundt, Lais, Schmidt, Stiegeler, Gersbacher, Kunzelmann, Steinebrunner, Kiefer, Seger, Diewald, Graß, Kaiser, Walliser und Metzger. Der Viehstand wird mit 221 Stück Rindvieh, 75 Ziegen, 4 Scha­fen, 22 Schweinen und 27 Bienenvölkern angegeben. In den Häusern, die außer dem kleinen, aus Stein erbauten Rathaus alle mit Stroh und Schindeln gedeckt waren, wohnten meist zwei oder drei Familien.

Nach Silber war in früheren Jahrhunderten hauptsäch­lich im Fuchswald bei Bischmatt gegraben worden. In Tunau waren 1840 17 Hausweber beschäftigt, die für die Fabriken Heimarbeit übernahmen, mehr und mehr aber als Arbeiter in die Fabriken nach Schönau gingen. Auch das Einziehen von Bürsten wurde als Heimarbeit be­trieben.

Tunau gehört seit deren Gründung im Jahre 1164 zur Pfarrei Schönau. 1901 wurde die Dorfkapelle zu Ehren des hl.Wendelin, des Göttlichen Herzens Jesu, der Schmerz­haften Muttergottes und des hl. Judas Thaddäus einge­weiht. Der Bauplatz war eine Stiftung von Thaddäus und Fides Lais, während Michael Beckert schon 1870 ein Betzeitglöcklein auf das Schulhaus gestiftet hatte.

Nachdem die Kinder zunächst in Schönau die Schule besucht hatten, bestand schon 1770 eine Schule in Tunau, die mit einer Stiftung von Barbara Strohmeier und Anton Stiegeler bedacht wurde. Das schindelgedeckte alte Schul­haus mitten im Dorf wurde von der Gemeinde im Jahre 1847 von Anton Böhler und Josef Ruch erworben. Fast vier Jahrzehnte versah bis 1882 Andreas Böhler den Schul­dienst.

Am Sonntag, dem 26. April 1936, wurde Tunau von einem furchtbaren Brandunglück heimgesucht. Das durch Brandstiftung gelegte Feuer brach um 13.30 Uhr aus und fand, angefacht durch einen starken Wind, in den mit Schindeln und teilweise noch mit Stroh gedeckten und größtenteils aus Holz gebauten Häusern reiche Nahrung. Innerhalb von zwei Stunden brannten neun Häuser, darunter drei Doppelhäuser, ab. Verschont blieben mit der Kapelle und dem Rathaus nur vier Häuser im Oberdorf. Da fast das ganze Dorf zerstört war, fanden die Bewohner in den Nachbarorten Zuflucht und Unterkunft. Beim Wiederauf­bau wurde das Schul- und Rathaus unter einem Dach er­richtet und das Baugelände gegenüber vorher aufgelockert. 1965 wurde das Rathaus renoviert.

Im ersten Weltkrieg hatte die Gemeinde sieben Kriegsopfer und im zweiten Weltkrieg 19 Gefallene und Vermisste zu beklagen, zu deren Andenken die Gemeinde 1953 eine Ehrentafel im Rathaus anbringen ließ.

Nach 1945 wurden die Ortsstraßen nach Bischmatt und nach Michelrütte ausgebaut und geteert, ein 3 km langer Holzabfuhrweg angelegt und ein Gerätewagen für die Feuerwehr angeschafft.
 
 
 
                                                          


Tunau im Jahre 1979